Strategische Vermögensplanung

Research & Kapitalmarktanalyse
An dieser Stelle erscheinen monatlich Kommentare zu den Entwicklungen auf den für uns relevanten Märkten für Aktien, Anleihen und Gold.
Darüber hinaus erscheinen hier bei Bedarf Einschätzungen und Überlegungen zu anderen Anlageklassen, wie zum Beispiel Immobilien, und zu wirtschaftspolitischen Themen, die allgemein von Interesse sein könnten.
Allgemeine Lage
Mai 2026
Im Verlauf des Monats Mai traten die Befürchtungen bezüglich der Auswirkungen des Krieges im Mittleren Osten (Energieknappheit, Inflation) gegenüber den Erwartungen, die mit dem Ausbau der KI verbunden sind, wieder zurück. So verzeichneten die globalen Aktienmärkte neue Höchststände und die Anleiherenditen gingen etwas zurück. Anleger fragten trotz der politischen Risiken in den USA Dollar nach. Folgerichtig verlor das Gold etwas an Wert, denn es war weniger als "safe haven" gefragt.
Aktien
Die am MSCI World gemessene Entwicklung der globalen Aktienmärkte (+4,2%) wurde im Mai fast aussschließlich vom Verlauf der IT- und Kommunikationswerte ("glorreiche Sieben") und dem us-amerikanischen Markt (S&P 500) bestimmt. Die Bewertung des IT-Sektors stieg um 15,7%. Sein Anteil am MSCI beträgt mittlerweile gut 30% und derjenige der USA 72%. D.h., dass die IT-Werte den Index um 4,7% nach oben gezogen haben (15,7%x30%). Mit anderen Worten: Ohne diese wäre das Monatsergebnis des Index negativ gewesen. Das ist eine ungesunde Entwick-lung, bedeutet es doch ein erhebliches Klumpenrisiko. Der europäische Markt legte zwar auch zu, aber nur in geringerem Umfang (+2,5%). Unter diesen Bedingungen sollten Portfolios, die ausgewogener und nicht an einem Index (Benchmark) orientiert sind, weniger Risiken aufweisen als solche, die indexorientiert sind.
Anleihen
Obwohl die meisten Marktbeobachter davon ausgehen, dass die EZB im Juni ihre Leitzinsen wegen der gestiegenen Inflation anheben wird, waren die Renditen in nahezu dem gesamten Laufzeitenbereich im Mai rückläufig. Vor allem bei kurzen
und mittellangen Laufzeiten war ein vergleichsweise starker Renditerückgang
zu beobachten. Wie die positive Entwicklung von Unternehmensanleihe- und Fremdwährungspositionen zeigt, verbesserte sich auch die Risikoeinschätzung der Anleiheinvestoren gegenüber dem Fremdkapital der Unternehmen. Trotz der politischen Risiken, die mit einem Engagement in US-Schuldtiteln verbunden sind, blieb auch die Nachfrage nach US-Dollar stabil. Offenbar ist die Ankerfunktion des Dollars im internationalen Handelssystem stark genug, um eine weitgehend konstante Nachfrage nach der Währung zu gewährleisten.
Gold
Spiegelbildlich zu den Trends bei den beiden anderen liquiden Anlageklassen (s.o.) war der Goldpreis auch im Mai rückläufig. Der Grund dafür dürfte neben dem steigenden "Risikoappetit" der Anleger auch in der Erwartung steigender Opportunitätskosten der Goldhaltung durch steigende Leitzinsen zu suchen sein.
Immobilien
1. Halbjahr 2026, Stand: 29.05.2026
Vor einigen Tagen wurden wichtige Daten veröffentlicht, die für die EInschätzung des Immobilienmarktes und der Immobilienfonds von Bedetung sind. Es handelt sich um dem vdp-Immobilienpreisindex, der die Preisentwicklung gehandelter Immobilien anzeigt, und um Daten der Liquiditätsentwicklung der Fonds.
Letztere zeigt, dass die Fonds im Großen und Ganzen immer noch von Liquiditätsabflüssen betroffen sind.
Das liegt hauptsächlich an zwei Gründen:
1. Insbesondere einige Büroimmobilienfonds und die Einzelhandelsfonds sind nach wie vor im Vergleich zum Marktpreisniveau zu hoch bewertet und bieten ihren Investoren daher Anlass, ihre als Fonds gehaltenenen Immobilienbestände an diese zurückzugeben. Zumal
2. mit der Rendite langfristiger, sicherer Anleihen in Höhe von ca. 3% eine kostengünstige, transparente und planbare Alternative zur Verfügung steht.
Einzelheiten dazu sind der verlinkten Analyse zu entnehmen.

Sonstiges
Februar 2026:
Preisentwicklung am Immobilienmarkt
Vor einigen Tagen hat der Pfandbriefverband (vdp) seinen Immobilien-preisindex für am Markt gehandelte Immobilien aktualisiert und veröffentlicht. Demnach hat sich die Stabilisierung der Preise für Gewerbe- und Einzelhandelsimmobilien im 4. Quartal 2025 auf niedrigem Niveau fortgesetzt. Ein Preisanstieg ist jedoch nicht erkennbar. Anders bei Wohnimmobilien: Diese haben im Q4 2025 das Niveau von Q1 2022, als der Preisrückgang an den Immobilienmärkten begann, wieder erreicht.
Welche Auswirkungen das auf die von mir beobachteten Immobilienfonds hat, steht in der Marktanalyse:
Januar 2026:
Kapitalmarktrückblick 2025
Die Entwicklungen an den Kapitalmärkten spiegeln kurz- und langfristige Trends wider. Die jahrelange bessere Entwicklung des us-amerikanischen Aktienmarktes gegenüber dem Rest der Welt beruht im Wesentlichen auf einem höheren durchschnittlichen Gewinnwachstum der US-Unternehmen, einem stärkeren Wachstum des Bruttoinlandsproduktes der USA und einer höheren Produktivität der US-Wirtschaft. Dies ist das Resultat langfristiger Trends 1. beim technischen Fortschritt, 2. im Bevölkerungswachstum und 3. bei stabilen politischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Mit der Regierungsübernahme Trumps wurde vor allem der letzte Punkt von den Anlegern immer stärker in Frage gestellt. Das zeigte sich zu Beginn des Jahres darin, dass die US-Aktien zum ersten Mal seit vielen Jahren schlechter liefen als die europäischen Werte. Die Abwendung der Anleger von den USA zeigte sich darüber hinaus das ganze Jahr über in einer Abwertung des US-Dollars auf den Devisenmärkten. Als Währungsalternative war hauptsächlich Gold gesucht, das nicht nur von den Notenbanken zum Zweck der Diversifizierung der Währungsreserven gekauft wurde sondern auch von Anlegern weltweit.
Nach dem "Zollschock" Anfang April setzte jedoch an den Aktienmärkten eine Gegenbewegung ein, die von der Phantasie rund um "Künstliche Intelligenz" getrieben wurde und die Börsen weltweit - auch die amerikanische - auf neue Höchststände führte.
Auf den Anleihemärkten spiegelten sich die Risiken der US-Poltik nicht wider. Die US-Zinsen - wenngleich deutlich höher als beispielsweise die deutschen Zinsen - tendierten über das Gesamtjahr gesehen im Wesentlichen seitwärts. Dies trifft auch auf die Euro-Zinsen zu, die im Großen und Ganzen realen Kapitalerhalt ermfür öglichten.
Am Immobilienmarkt wurde die Talfahrt der Preise für gehandelte Immobilien gestoppt. Das bedeutet jedoch nicht, dass für die Immobilienfonds bereits das Gröbste überstanden wäre, denn die Mittelablfüsse aus den Fonds haben sich fortgesetzt. Das ist auch kein Wunder, denn die Preise vor allem der großen Publikumsfonds und der Fonds für Einzelhandelsimmobilien sind immer noch deutlich höher als die Marktpreise. Damit bleibt der Anreiz für Anleger, sich von ihren Immobilienbeständen, die als Fondsanteile gehalten werden, auf Kosten der Fondsliquidität und der Bestandsanleger zu trennen, bestehen.