top of page

Überlegungen zu aktuellen Themen

An dieser Stelle erscheinen in unregelmäßigen Abständen Überlegungen zu aktuellen Themen am Kapitalmarkt und der Vermögensanlage.

Überlegungen zum Kursverlauf von Anleihefonds mit Fremd-
währungen

19.06.2026

Fremdwährungsfonds setzte ich ein, um das Währungsrisiko auf der "Geldseite" des Vermögens zu diversifizieren und an Chancen verschiedener Währungs-räume teilzuhaben. Leider bietetder Kursverlauf vieler Fremdwährungsfonds, d.h. Fonds, die Anleihen in verschiedenen Währungen halten, seit gut 10 Jahren keinen Grund für Begeisterungsstürme.

Auf der Grundlage statistischer Methoden wird in diesem Text der Versuch unternommen, am Beispiel des UniRenta den Gründen für diese unbefriedigende Entwicklung nachzugehen.

 

Der UniRenta ist ein Standardfonds, der hauptsächlich Staats- aber auch Unternehmensanleihen hält. Er orientiert sich an einer Benchmark (Index), die die Kursentwicklung globaler Staatsanleihen widerspiegelt. 

 

Der größte Einzelmarkt für Anleihen ist der us-amerikanische, gefolgt von dem für Euro-Anleihen. Deshalb ist es folgerichtig, dass auch globale Anleihefonds diese Gewichtung widerspiegeln. Der Index besteht zzt. aus 55% US-Anleihen und etwa 25% Euro-Anleihen mittlerer und längerer Laufzeit. Der UniRenta weicht davon ab, aber auch in ihm bilden die US-Anleihen mit gut einem Drittel den Hauptteil. Euro-Anleihen sind mit etwas mehr als einem Fünftel gewichtet. Der Fonds wird aktiv gemanagt, d.h., dass die Fondszusammen-setzung (Währungen, Laufzeiten, Bonitäten) im Zeitablauf schwankt.

Die Korrelationsanalyse des Fondsverlaufs gegen die Zinsentwicklung der US-Treasuries (US-Staatsanleihen) mit 10jähriger Restlaufzeit zeigt, dass sich Kursverlauf und Renditeentwicklung stark gegenläufig zueinander verhalten: Steigen die US-Zinsen (sinken also die Kurse der Anleihen), sinkt der Preis des Fonds und umgekehrt. Über den gesamten Zeitraum können die langfristigen US-Zinsen den Fondspreis zu deutlich mehr als 80% erklären. Das ist angesichts der Anteile des USD in den Fonds überraschend viel. Die Bedeutung des US-Anleihemarktes im globalen Kontext und die Leitzinsfunktion der US-Treasuries für die weltweite Zinsentwicklung sprechen aber dafür, dass die Daten nicht nur korreliert sind, sondern dass auch ein kausaler Zusammenhang besteht.

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Vergleich zwischen dem UniRenta und dem ETF, der die Benchmark abbildet, unterstützt diese Analyse:

 

 

 

 

 

 

 

Besonders ausgeprägt sind die gegenläufigen Entwicklungen seit Beginn des jüngsten Anstiegs der US-Zinsen nach Beginn des Ukrainekriegs und des dadurch ausgelösten Inflationsanstiegs aufgrund der gestiegenen Energiepreise. Das ist aber noch nicht alles. Denn speziell nach 2022 sind die Zinsen in allen Währungsräumen verhältnismäßig stark gestiegen. Dies trifft auch auf den Yen zu, der zurzeit einen Anteil von 12% am Fonds hat. Dort sind die langfristigen Zinsen innerhalb von 4 Jahren von 0 auf 2,6% gestiegen.

 

 

Global anlegende Anleihefonds, die keiner Benchmark folgen, können von der Entwicklung der US-Zinsen weniger betroffen sein, wie der Vergleich mit dem Flossbach von Storch Bond Opp. zeigt:

​​

 

Wie geht es nun weiter? Nach den hier präsentierten Überlegungen kommt der Entwicklung insbesondere der US-Zinsen auch in Zukunft für die Fondsverläufe überragende Bedeutung zu. Damit ist nicht nur die Inflationsentwicklung gemeint, sondern auch die Bonitätseinschätzung der USA, die von der Fiskalpolitik der Regierung und der Geldpolitik der FED abhängt. Dies erfordert permanente und sorgfältige Beobachtung. Unabhängig davon ist jedoch die Nachfrage nach USD und US-Anleihen wegen der Bedeutung der US-Wirtschaft für den Welthandel strukturell bedingt. Sowohl die US-Wirtschaft als auch das Handelsbilanzdefizit der Amerikaner, das diese mit der Ausgabe von USD finanzieren, sollte die Nachfrage nach US-Schuldtiteln und dem Dollar auch in Zukunft stützen.

 

Gestiegene Zinsen heute sind jedoch das Ertragspotential von morgen: Denn der Fonds dürfte in Zukunft, wenn die Renditen weltweit wieder einmal zurückgehen sollten, von den hohen Nominalzinsen und den damit verbundenen Kursanstiegen profitieren. Noch aber ist es nicht soweit. An meiner Fremdwährungsposition (s. Anleihen und Portfolio) halte ich deshalb fest.

Gedanken zum neuen Chef der FED

13.05.2026

Am Ende dieser Woche wird Kevin Warsh, der neue und von Trump
nominierte Chef der FED, in sein Amt eingeführt. Da Trump Zinssenkungen und somit eine expansive, zurzeit gegen das Ziel der Preisstabilität gerichtete Geld-politik fordert, ist mit Warsh die Befürchtung verbunden, dieser könne den Forderungen Trumps nachgeben und damit die Inflationsbekämpfung zu den Akten legen. Damit wäre eine Schwächung des Dollars verbunden. Das ist nicht sicher und bleibt abzuwarten. Denn Warsh war unter Ben Bernanke schon einmal Mitglied im FED-Rat und war damals gegen die von Bernanke verfolgte expansive Geldpolitik (Staatsanleihenkäufe). Sollte es jedoch wie befürchtet kommen, wäre das wahrscheinlich an einer Schwächung des Dollarwechselkurses und einem Anstieg der langfristigen US-Zinsen abzulesen. Denn Anleger würden das Vertrauen in den Dollar und die US-Anleihen verlieren und höhere Risikoprämien fordern. Diese Entwicklung wäre dann an einem Kursrückgang bei Anleihepositionen in USD abzulesen.An dieser Stelle werden wir daher in Zukunft die Entwicklung der US-Zinsen und des Dollars genau beobachten.  

Erläuterungen zur
Aktienstrategie

30.03.2026

Grundsätzliche Über-
legungen zur Aktien-
anlage: Warum ich in
Aktien mit stetiger
Gewinnentwicklung
investiere

25.03.2026

Die Aktienstrategie, die auf dieser Seite verfolgt wird, verläuft zweigleisig. Beiden Gleisen gemeinsam ist als Basis die fundamentale Einschätzung der Unternehmen, die anhand der Kriterien langfristige Gewinn- und Dividenden-entwicklung sowie der historischen und aktuellen Marktbewertung vorgenommen wird. In beiden Varianten werden die Positionen zudem mit Stopp-Loss-Limiten abgesichert. Während im Musterdepot jedoch auch taktische Überlegungen eine Rolle spielen (s. die derzeitige Unterauslastung), ist das Aktiendepot im Portfolio immer voll investiert. Verkaufte Aktien werden sofort ersetzt. Der Grund ist, dass die Gesamtstrategie, die im Portfolio verfolgt wird, stets mit voll ausgelasteten Quoten der Anlageklassen umgesetzt wird, um ein möglichst realistisches Bild der Portfolioentwicklung zu zeigen. Deshalb werden die Unterschiede zwischen den beiden Depots im Laufe der Zeit immer stärker voneinander abweichen.

Wie im Abschnitt "Grundsätzliche Überlegungen" erwähnt, ist der Ausgangspunkt meiner Anlagephilosophie die Investition in die Wirtschaft, um an ihren Erträgen teilzuhaben - als Sachkapital (Aktien) oder Fremdkapi-
tal (Anleihen).
Für die Anlage in Aktien bedeutet dies, dass die Kurse jeder Aktie im Großen und Ganzen der Gewinnentwicklung des jeweiligen Unternehmens folgen sollten. Auf Gesamtmarktebene folgt daraus, dass der Verlauf der Indizes die Gewinnentwicklung der Firmen, die in ihnen enthalten sind, abbilden.

Folgen wir nun dieser Überlegung, so ist es vorteilhaft, in Unternehmen zu investieren, die sich durch möglichst kontinuierlich steigende Gewinne auszeichnen. Dies setzt ein funktionierendes Geschäftsmodell voraus, was man wiederum an der Umsatzentwicklung erkennen kann. Denn dann können wir hinreichend sicher erwarten, dass sich in der - überschaubaren - Zukunft der positive Gewinnverlauf fortsetzen wird. Steigende Aktienkurse sollten dann über kurz oder lang folgen. Diesen Zusammenhang zeigt eindrucksvoll und idealtypisch der unten abgebildete Chart. Er zeigt im Vergleich die Verläufe von Gewinnen und Kursen des französischen Kosme-tikunternehmens L'Oréal, einem nach meiner Definition klassischen Wachstumswert. Denn die Gewinne - und ihnen folgend auch die Kurse - steigen stetig an. Genau das will ich sehen. 

Über die Krise der Immobilienfonds

26.02.2026

Allem Wunschdenken der Fondsgesellschaften zum Trotz ist die Krise der offenen Immobilienfonds meines Erachtens noch nicht ausgestanden. Dies wurde wieder einmal klar auf der Jahrespressekonferenz der Union Investment, auf der sie über ihre Immobilienfonds berichtete.

Vertreter der UI beschreiben die Situation der Fonds als Teufelskreis aus Abflüssen und sinkenden Fondspreisen. Dabei erwähnen sie nicht, dass seit dem Zinsanstieg am Anleihemarkt wieder einfachere, kostengünstigere und transparentere Alternativen mit ähnlicher Rendite den Anlegern zur Verfügung stehen. Für die schwierige Lage der Fonds sind m.E. diese Gründe verantwortlich:

1. Die vergleichsweise schlechte Rendite der Fonds von zzt. bestenfalls zwischen 1,5 und 2%. Diese kann mit sicheren Anleihen, die bei ähnlichem Anlagezeitraum zwischen 2 und 2,5% p.a. abwerfen, nicht konkurrieren. Insofern stellt die Rückgabe von Fondsanteilen einen ökonomisch nachvollziehbaren Anpassungsprozess der Anleger in ihren Portfolien dar.

2. Durch die im Vergleich zum Marktpreisniveau am Immmobilienmarkt zu hohe Bewertung der Fondsobjekte besteht für Anleger ein Anreiz, sich von Immobilienbeständen zu trennen. Da Fondsimmobilien in der jetzigen Lage abgewertet werden müssen, um sie verkaufen zu können, entsteht zusätzlicher Abwertungsdruck.

3. Pressemeldungen über fortgesetzte Mittelabflüsse wirken bei Anlegern nicht gerade vertrauensbildend und sind ein weiterer Anreiz, sich von Fondsanteilen zu trennen.

Fazit: Die Abwertungsspirale dreht sich weiter, solange die Immobilienfonds die Bewertung ihrer Bestände nicht vollständig an das niedrigere Marktpreis-niveau angepasst haben und die Abwertungen Druck auf die Rendite ausüben. Ich sehe mich ein weiteres Mal in meiner Strategie bestätigt, mich von Immobilienfonds fernzuhalten.

Über Kursblasen

13.02.2026

Derzeit nehmen Meldungen und Analysen zur (vermeintlichen) Blasenbildung bei den Aktienkursen breiten Raum ein. Es werden hauptsächlich die hohen Kursniveaus bei den amerikanischen IT-Unternehmen („Magnificent Seven“, aber nicht nur die), speziell solche mit starkem KI-Bezug, in den Blick genommen. Tenor ist, die Kurse seinen zurzeit zu hoch, fundamental überbewertet und müssten über kurz oder lang – stark – fallen. Als Begründung werden vor allem die hohen Investitionen in KI genannt. Es wird spekuliert, diese könnten sich womöglich nicht amortisieren.

 

Ob eine Kursblase am Kapitalmarkt vorliegt, beurteile ich anhand verschiedener ökonomischer Kriterien. So wird es auch in der Literatur gehandhabt. Diese Kriterien sind:

1. Eine besondere Geschichte, die die Investmentwelt bewegt. Mit „Künstlicher Intelligenz“ liegt diese ohne Zweifel vor.

 

2. Aktienkurse steigen unabhängig von den Nachrichten. Dies ist nach meiner Beobachtung nicht der Fall, wie die Beispiele SAP und Cisco zeigen.

 

3. Die Begründung „Dieses Mal ist alles anders“ wird genannt, um Kursanstiege zu erklären. Diesen Satz habe ich noch nicht gehört oder gelesen, um die Kursanstiege im IT-Sektor zu erklären. Aber bei der KI sind wir nahe dran.

 

4. Niedrige bzw. sinkende Zinsen. Dieses Kriterium ist m.E. nicht erfüllt. In den wichtigsten Währungsräumen befinden sich die Nominalzinsen über die gesamte Laufzeitenkurve hinweg auf einem Niveau, dass realen Kapitalerhalt ermöglicht.

 

5. (Zu) hohes Geldmengenwachstum. Die Geldmengen sind speziell nach der Finanzkrise zu stark gewachsen. Der Geldmengenmantel für die Wirtschaft ist im Großen und Ganzen zu weit. Nach 2022 jedoch haben die Notenbanken die Geldmengenausweitung reduziert oder sogar gestoppt und ihre Bilanzen zurückgefahren. Meiner Meinung nach ist das Geldmengenwachstum nicht zu hoch, wohl aber der Bestand.

 

6. Kreditfinanzierte Wertpapierkäufe. Dieses Kriterium kann ich mangels verfügbarer Daten nicht beurteilen.

 

7. Zu hohe Bewertung von Aktien. Um dies beurteilen zu können, ermittle ich die aktuellen Bewertungen von Aktien aus dem IT- bzw. KI-Bereich, sofern sie von mir regelmäßig beobachtet werden. Diese sind:

Unternehmen:          erwarteter Gewinn 2026       Bewertung anhand KGV       

Alphabet                                 15,2                                        20,3

Apple                                       9,5                                         28

Broadcom                                 6,2                                         44,6

Microsoft                                 15,3                                        25,4

Nvidia                                      3,0                                         64,5

ASML                                      24,7                                        48,9

 

Zum Vergleich:           KGV S&P500:                                     etwa 29

Fazit: Ob eine Kursblase vorliegt oder vorgelegen hat, kann eigentlich nur ex-post bestimmt werden. Beispiele für Kursblasen, die jedoch auch ex-ante erkennbar waren, sind die „New Economy“-Blase Anfang der 2000er Jahre und die Periode der Null- und Negativzinsen vor 2022. Im vorliegenden Fall sind manche Kriterien für Kursblasen erfüllt, bei anderen ist es zweifelhaft. Die KGV-Bewertungen sind in vielen Fällen auf jeden Fall zu hoch. Ob und wann aber die Aktienkurse auf breiter Front fallen, ist damit nicht prognostizierbar.

bottom of page